SEONº 04

In KI-Antworten genannt werden: was wirklich hilft – und was Mythos ist

ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews: was die Anbieter selbst sagen, welche Tipps Mythos sind und was nachweislich hilft, in KI-Antworten aufzutauchen.

NRNoah RichterStrategie & Design
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6 Min. Lesezeit
Inhalt · 5 Kapitel
  1. 01Wie KI-Suchen ihre Quellen finden
  2. 02Was belegt ist – und was Mythos
  3. 03Was tatsächlich hilft
  4. 04Wie Sie prüfen, ob es wirkt
  5. 05Unsere Einschätzung

Kurz gesagt

  • Einen Trick, mit dem man sicher in ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Antworten landet, gibt es nicht – Google schreibt selbst, dass für AI Overviews und AI Mode keine zusätzlichen Anforderungen gelten und die Ausspielung nicht garantiert ist.
  • Grundvoraussetzung ist, dass die Such-Crawler Ihre Seite lesen dürfen: OAI-SearchBot für ChatGPT, PerplexityBot für Perplexity und Googlebot für Google.
  • Dateien wie llms.txt sind ein Vorschlag, kein Standard; Google verlangt für seine KI-Funktionen weder spezielle Dateien noch spezielles Markup.
  • In der Forschungsarbeit, die den Begriff GEO eingeführt hat, steigerten gezielte Überarbeitungen – allen voran Quellenangaben, Zitate und Statistiken – die Sichtbarkeit in KI-Antworten um bis zu 40 Prozent.
  • Für lokale Betriebe kommen ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, überall gleiche Firmendaten und echte Bewertungen dazu.

„Wie kommen wir in ChatGPT?“ Diese Frage hören wir immer öfter. Die Antworten, die dazu im Netz kursieren, reichen von „mit einer llms.txt“ bis „mit unserem GEO-Paket“. Die ehrliche Antwort ist unspektakulärer – und gerade deshalb brauchbar: Die meisten Hebel sind bekannt, ein paar sind neu, und einige sind schlicht Mythos.

Für diesen Beitrag haben wir nachgelesen, was OpenAI, Perplexity und Google selbst dokumentieren, und die Forschungsarbeit ausgewertet, die den Begriff „Generative Engine Optimization“ (GEO) eingeführt hat. Was darüber hinausgeht, ist als unsere Einschätzung gekennzeichnet.

Wie KI-Suchen ihre Quellen finden

Zuerst eine Unterscheidung: Ein Sprachmodell, das aus seinem Training antwortet, und eine KI-Suche, die live im Netz recherchiert, sind zwei verschiedene Dinge. Für Unternehmen zählt vor allem das Zweite. ChatGPT mit Suchfunktion, Perplexity sowie Googles AI Overviews und AI Mode suchen zur Frage passende Seiten, fassen sie zusammen und verlinken sie als Quellen.

Google beschreibt dabei ein Verfahren namens „Query Fan-out“: Zu einer Frage werden mehrere verwandte Suchen über Unterthemen und Datenquellen hinweg gestellt. Für Sie heißt das: Zitiert werden kann nicht nur die Seite, die auf das Hauptstichwort optimiert ist, sondern jede, die eine Teilfrage gut beantwortet.

Jeder Anbieter nutzt eigene Crawler – und genau hier liegt die erste, ganz handfeste Stellschraube.

DienstCrawler für die SucheWas der Anbieter dazu sagt
ChatGPT-SucheOAI-SearchBotSeiten, die OAI-SearchBot aussperren, erscheinen nicht in Suchantworten, allenfalls als Navigationslink. GPTBot (Training) wird davon unabhängig gesteuert.
PerplexityPerplexityBotPerplexity empfiehlt, PerplexityBot in der robots.txt zu erlauben, damit die Seite in den Ergebnissen erscheint. Perplexity-User ruft Seiten nur bei konkreten Nutzerfragen ab.
Google AI Overviews und AI ModeGooglebot (regulärer Suchindex)Die Seite muss indexiert sein und mit Snippet angezeigt werden dürfen. Zusätzliche technische Anforderungen gibt es laut Google nicht.

Was belegt ist – und was Mythos

Rund um KI-Sichtbarkeit kursieren inzwischen viele Empfehlungen. Einige halten einem Blick in die Originalquellen nicht stand.

  • „Ohne llms.txt keine KI-Sichtbarkeit“: llms.txt ist ein Vorschlag – so bezeichnet ihn die Projektseite selbst –, kein verbindlicher Standard. Google schreibt ausdrücklich, dass für AI Overviews und AI Mode keine neuen maschinenlesbaren Dateien oder KI-Textdateien nötig sind. Wer eine anlegen möchte, kann das tun; die Grundlagen ersetzt sie nicht.
  • „Es braucht spezielles KI-Markup“: Auch hier ist Google eindeutig – für die KI-Funktionen gibt es kein besonderes schema.org-Markup. Strukturierte Daten bleiben sinnvoll, müssen aber zum sichtbaren Text der Seite passen.
  • „Wer GPTBot sperrt, verschwindet aus ChatGPT“: Laut OpenAI sind die Einstellungen unabhängig voneinander. Sie können das Training mit Ihren Inhalten ablehnen (GPTBot) und trotzdem in der Suche auftauchen (OAI-SearchBot). Ähnlich bei Google: Das Token Google-Extended hat laut Google keinen Einfluss auf die Aufnahme in die Google-Suche.
  • „Mehr Keywords, mehr Nennungen“: In der GEO-Studie brachte Keyword-Stuffing kaum bis keine Verbesserung und lag teils sogar unter dem unveränderten Ausgangstext.
  • „Wir garantieren Ihnen die Nennung“: Google schreibt selbst, dass Indexierung und Ausspielung nicht garantiert sind. Wer Ihnen eine feste Platzierung in KI-Antworten verspricht, verspricht etwas, das kein Anbieter zusagt.

Was tatsächlich hilft

Die gute Nachricht: Was hilft, ist kein Geheimwissen. Es ist im Wesentlichen gutes SEO, ergänzt um eine Schreibweise, die Maschinen das Zitieren leicht macht.

1. Lesbar sein für die richtigen Crawler

Prüfen Sie Ihre robots.txt auf OAI-SearchBot, PerplexityBot und Googlebot. Ein leicht übersehener Stolperstein liegt woanders: ein Bot-Schutz bei Hoster oder CDN, der unbekannte Crawler pauschal abweist. Google nennt ausdrücklich, dass das Crawling auch durch CDN und Hosting-Infrastruktur erlaubt sein muss; OpenAI veröffentlicht für OAI-SearchBot eigene IP-Bereiche, die sich gezielt freigeben lassen.

Und: Wichtige Inhalte gehören als Text auf die Seite – nicht nur in Bilder, PDFs oder Slider.

2. Die Antwort zuerst

Wenn eine KI-Suche Fragen in Teilfragen zerlegt, sucht sie Abschnitte, die genau eine davon beantworten. Seiten, die im ersten Absatz direkt antworten und erst danach ins Detail gehen, sind dafür leichter zu verwerten als Seiten, die drei Absätze lang Anlauf nehmen. Das ist unsere Einschätzung aus der Funktionsweise der Systeme, keine dokumentierte Regel – sie deckt sich aber mit dem, was auch menschliche Leser wollen.

  • Pro Seite eine klar benannte Frage – die Überschrift formuliert sie.
  • Die Antwort in zwei, drei Sätzen am Anfang, Details danach.
  • Konkrete Angaben zu Preisrahmen, Einzugsgebiet, Ablauf und Fristen statt „auf Anfrage“, wo immer es geht.
  • Ein FAQ-Abschnitt mit den Fragen, die Kunden tatsächlich stellen.

3. Belege, Zahlen und Zitate

Hier gibt es tatsächlich Forschung. Die Studie „GEO: Generative Engine Optimization“ von Aggarwal und anderen, angenommen für die Konferenz KDD 2024, hat neun Methoden getestet, Texte für generative Suchmaschinen sichtbarer zu machen. Am besten schnitten drei ab: Quellen zitieren, Zitate einbauen und Statistiken ergänzen. Insgesamt berichten die Autoren eine Steigerung der Sichtbarkeit in KI-Antworten um bis zu 40 Prozent. Auffällig: Seiten, die in der klassischen Suche weiter unten standen, profitierten deutlich stärker.

4. Überall dieselben Unternehmensdaten

KI-Antworten werden aus mehreren Quellen zusammengesetzt – Ihrer Website, Ihrem Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnissen, Bewertungsportalen. Widersprechen sich Öffnungszeiten, Adresse oder Leistungsumfang, muss das System raten. Google nennt für seine KI-Funktionen ausdrücklich, Unternehmensprofil und Merchant Center aktuell zu halten. Für ChatGPT und Perplexity ist nicht dokumentiert, welche Verzeichnisse sie heranziehen – einheitliche Daten überall sind deshalb die sichere Wahl.

5. Echte Bewertungen

Für die lokale Google-Suche ist es belegt: Mehr Bewertungen und positive Bewertungen können das Ranking verbessern, schreibt Google selbst. Wie stark ChatGPT oder Perplexity Bewertungen gewichten, dokumentieren die Anbieter nicht. Wer Bewertungen sammelt, tut es deshalb in erster Linie für Google und für Menschen – und nur mit echten Kunden. Gekaufte oder mit einer Gegenleistung erkaufte Bewertungen verbietet Google ausdrücklich.

Wie Sie prüfen, ob es wirkt

Eine eigene Auswertung für KI-Sichtbarkeit gibt es bei Google nicht: Besuche über AI Overviews und AI Mode laufen in der Search Console im normalen Leistungsbericht unter dem Suchtyp „Web“ mit. Besuche aus ChatGPT oder Perplexity erkennen Sie in der Webanalyse in der Regel an der Herkunftsseite.

Ergänzend hilft ein einfacher Test, der regelmäßig wiederholt wird:

  1. 01Eine Handvoll Fragen notieren, die Kunden vor einem Auftrag stellen – so formuliert, wie sie sie stellen würden.
  2. 02Diese Fragen in ChatGPT mit Suchfunktion, in Perplexity und bei Google stellen und festhalten, wer genannt und welche Seite verlinkt wird.
  3. 03Den Test monatlich wiederholen. KI-Antworten fallen nicht bei jedem Aufruf gleich aus; ein einzelner Durchlauf sagt deshalb wenig, der Verlauf über Monate deutlich mehr.

Unsere Einschätzung

GEO ist keine neue Disziplin, die SEO ablöst. Google sagt es selbst: Die bewährten SEO-Grundlagen gelten für die KI-Funktionen genauso. Neu ist vor allem, dass Inhalte nicht mehr nur gefunden, sondern zitiert werden wollen – und dafür klar, belegt und widerspruchsfrei sein müssen.

Was wir deshalb nicht verkaufen: Pakete, die eine Nennung in ChatGPT versprechen. Was wir tun: Seiten technisch erreichbar machen, Inhalte so schreiben, dass sie eine Frage beantworten, und Unternehmensdaten aufräumen. Ob ein System Sie am Ende nennt, entscheidet das System.

LeistungSEO & KI-Sichtbarkeit: Technik, Inhalte, Local SEO und GEO – mit ehrlichem Reporting

In KI-Antworten landet nicht, wer die meisten Tricks kennt, sondern wer die Frage am klarsten beantwortet – mit Angaben, die stimmen.

Häufige Fragen

Nach heutigem Stand nicht. llms.txt ist ein Vorschlag, kein verbindlicher Standard, und Google schreibt ausdrücklich, dass für AI Overviews und AI Mode keine speziellen Dateien oder Auszeichnungen nötig sind. Wer eine anlegen möchte, kann das tun – wichtiger sind erreichbare, klar geschriebene Seiten.

Das ist eine Frage der Haltung, nicht der Sichtbarkeit. GPTBot sammelt laut OpenAI Inhalte für das Training von KI-Modellen, die Sichtbarkeit in der ChatGPT-Suche steuert dagegen OAI-SearchBot – beide Einstellungen sind unabhängig voneinander. Wer in der Suche auftauchen will, darf nur OAI-SearchBot nicht aussperren.

Nein. Welche Quellen eine KI-Suche nennt, entscheidet allein das System, und selbst Google schreibt, dass Indexierung und Ausspielung nicht garantiert sind. Seriös ist, die Voraussetzungen zu schaffen und die Entwicklung regelmäßig zu messen.

Nein. Google sagt selbst, dass für seine KI-Funktionen dieselben SEO-Grundlagen gelten wie für die normale Suche: crawlbare Seiten, Inhalte als Text, eine gute Nutzererfahrung. GEO ergänzt das um Inhalte, die sich gut zitieren lassen.

Quellen

  1. [1]Google Search Central: KI-Funktionen und Ihre Website
  2. [2]Google: Übersicht der Google-Crawler (Google-Extended)
  3. [3]OpenAI: Overview of OpenAI Crawlers
  4. [4]Perplexity: Perplexity Crawlers
  5. [5]Aggarwal u. a.: GEO – Generative Engine Optimization (arXiv 2311.09735, KDD 2024)
  6. [6]llms.txt: Vorschlag zur Standardisierung
  7. [7]Google Unternehmensprofil-Hilfe: Lokales Ranking bei Google verbessern
  8. [8]Google: Richtlinien für nutzergenerierte Inhalte (Fake Engagement)
NR

Noah Richter · Strategie & Design, Society Outsiders

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