Inhalt · 5 Kapitel
Kurz gesagt
- Eine seriöse Ein-Satz-Antwort gibt es nicht: Die Spanne reicht von 500 € beim Baukasten bis in den sechsstelligen Bereich, weil unter dem Wort „Website“ völlig verschiedene Leistungen verkauft werden.
- In der Praxis begegnen Ihnen vier Preisklassen: Baukasten in Eigenarbeit, Baukasten mit Dienstleister, individuelle Website und Individualprojekt mit Shop, Portal oder Schnittstellen.
- Der größte Kostenblock ist selten die Technik, sondern die Arbeit davor – Konzept, Struktur und Inhalte.
- Ein seriöses Angebot ist in Bausteine mit eigenen Preisen gegliedert, nennt Seitenzahl und Korrekturschleifen und regelt, wem Code und Zugänge gehören und was nach dem Livegang passiert.
- Ob sich eine Website lohnt, rechnen Sie rückwärts: Wie viele zusätzliche Aufträge müsste sie bringen, um sich in zwölf Monaten bezahlt zu machen?
„Was kostet eine Website?“ ist die erste Frage in fast jedem Erstgespräch – und die einzige, auf die es keine ehrliche Ein-Satz-Antwort gibt. Die Spanne reicht von 500 € beim Baukasten bis in den sechsstelligen Bereich. Das liegt nicht daran, dass die Branche mauert, sondern daran, dass unter demselben Wort völlig verschiedene Dinge verkauft werden.
Die vier Preisklassen
In der Praxis begegnen Ihnen vier Kategorien. Wer weiß, in welcher er sich bewegt, kann Angebote überhaupt erst vergleichen.
- 01Baukasten in Eigenarbeit (0–600 €): Sie machen alles selbst. Legitim, wenn Sie Zeit statt Geld haben und die Seite eine reine Visitenkarte ist.
- 02Baukasten mit Dienstleister (800–2.500 €): Jemand füllt für Sie ein Template. Schnell, aber Sie zahlen für Einrichtung, nicht für Konzept.
- 03Individuelle Website (3.500–15.000 €): Eigenes Konzept, eigenes Design, eigene Entwicklung. Hier entstehen Auftritte, die sich unterscheiden.
- 04Individualprojekt (ab 15.000 €): Shop, Portal, Mehrsprachigkeit, Schnittstellen, Redaktionsprozesse.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
Der größte Kostenblock ist selten die Technik. Es ist die Arbeit davor: herauszufinden, was auf der Seite überhaupt stehen muss, damit jemand anruft. Die Anteile unten sind unsere Erfahrungswerte aus eigenen Projekten, keine Branchenstatistik.
- Konzept und Struktur – typischerweise 15–20 % des Projekts
- Text und Inhalte – 10–25 %, je nachdem, wie viel Sie selbst liefern
- Design – 25–30 %
- Entwicklung – 30–40 %
- Technik, Recht, Tests, Livegang – 10 %
Die Posten, die in Billigangeboten fehlen
Ein Angebot über 900 € ist nicht automatisch schlecht. Es enthält nur häufig diese Punkte nicht, die später einzeln nachberechnet werden:
- Weiterleitungen von der alten Seite – ohne sie verlieren Sie Rankings, die Sie sich über Jahre erarbeitet haben.
- Rechtstexte und datenschutzkonforme Formulare.
- Barrierefreiheit – seit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele Unternehmen keine Kür mehr.
- Ladezeit-Optimierung und Bildaufbereitung.
- Einweisung und Übergabe der Zugänge.
Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen
- Es ist in Bausteine gegliedert, jeder mit eigenem Preis – Sie können streichen, was Sie nicht brauchen.
- Es nennt eine Anzahl an Seiten und Korrekturschleifen statt „inklusive aller Wünsche“.
- Es sagt, wem der Code und die Zugänge nach dem Projekt gehören.
- Es enthält, was nach dem Livegang passiert – und was das kostet.
Und was ist die richtige Investition?
Rechnen Sie rückwärts. Was ist ein neuer Kunde für Sie wert, und wie viele davon müssten über die Seite kommen, damit sie sich in zwölf Monaten bezahlt macht? Bei einem Handwerksbetrieb mit 4.000 € Auftragswert reichen zwei zusätzliche Aufträge im Jahr. Bei einem Ladengeschäft mit 30 € Warenkorb sieht die Rechnung anders aus – und dann ist der Baukasten die vernünftige Entscheidung.
Die teuerste Website ist die, die niemand findet und die niemanden zum Anrufen bringt. Unabhängig davon, was sie gekostet hat.
Häufige Fragen
Weil Billigangebote häufig Posten nicht enthalten, die später einzeln nachberechnet werden: Weiterleitungen von der alten Seite, Rechtstexte und datenschutzkonforme Formulare, Barrierefreiheit, Ladezeit-Optimierung sowie Einweisung und Übergabe der Zugänge. Ein Angebot über 900 € ist deshalb nicht automatisch schlecht – es sollte aber sagen, was fehlt.
Faustregel: Wenn im Angebot kein Posten für Konzept und Inhalte auftaucht, ist entweder etwas vergessen worden oder es wird ein Template befüllt. Beides ist legitim, solange es offen gesagt wird – Sie zahlen dann für Einrichtung, nicht für Konzept.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt unter anderem für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden – etwa Onlineshops oder Websites, über die Verbraucher online einen Vertrag abschließen. Kleinstunternehmen, also Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme, sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Ob Ihr Fall darunter fällt, sollten Sie im Zweifel rechtlich prüfen lassen.
Quellen
Noah Richter · Strategie & Design, Society Outsiders
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