E-CommerceNº 06

Shopware oder Shopify? Eine ehrliche Entscheidungshilfe für den Mittelstand

Mieten oder selbst betreiben, B2B, mehrere Marken, Erweiterungen, Kostenarten und Migration: worin sich Shopware und Shopify wirklich unterscheiden.

JGJulius GubitzOperations & Entwicklung
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Inhalt · 7 Kapitel
  1. 01Der Grundunterschied: mieten oder selbst betreiben
  2. 02B2B: Hier entscheidet der Tarif
  3. 03Mehrere Marken, Länder und Shops
  4. 04Erweiterungen und Kosten: auf die Kostenarten schauen
  5. 05Shopware und Shopify im Vergleich
  6. 06Migration: der unterschätzte Teil
  7. 07Unsere Faustregeln

Kurz gesagt

  • Einen Sieger gibt es nicht: Shopify ist eine Mietlösung, bei der Hosting und Updates beim Anbieter liegen; Shopware hat einen Open-Source-Kern und lässt sich selbst hosten oder als PaaS beziehungsweise SaaS betreiben.
  • Shopify liegt nahe, wenn Sie schnell starten wollen, Ihre Abläufe dem Standard entsprechen und Sie keine Verantwortung für Server und Updates tragen möchten.
  • Shopware spielt seine Stärken aus, wenn mehrere Marken, Sprachen oder Kundengruppen in einem System laufen sollen oder tiefe Anpassungen nötig sind.
  • Bei B2B entscheidet der Tarif: Beide Anbieter koppeln B2B-Funktionen an bestimmte Pläne, deshalb gehört eine Funktionsliste vor jeden Preisvergleich.
  • Vergleichen Sie Kostenarten statt Listenpreise – Lizenz oder Tarif, Hosting, Zahlungsgebühren, Erweiterungen, Umsetzung und Wartung.

„Shopware oder Shopify?“ Wer diese Frage in einem Forum stellt, bekommt zwei Lager und keine Antwort. Das liegt daran, dass beide Systeme gut sind – für unterschiedliche Unternehmen. Die richtige Wahl hängt weniger an Funktionslisten als an drei Fragen: Wer soll das System betreiben? Wie komplex ist Ihr Vertrieb? Und wie viele Marken, Länder oder Kundengruppen laufen darüber?

Offen vorweg: Unser Referenzprojekt im E-Commerce, der Relaunch von Mac's Mystic Store, läuft auf Shopware 6. Wir arbeiten aber mit beiden Systemen – und ein Shop auf dem falschen System ist für niemanden ein gutes Projekt.

Der Grundunterschied: mieten oder selbst betreiben

Shopify ist eine Mietlösung, im Fachjargon Software as a Service (SaaS). Hosting, Sicherheit und Updates liegen beim Anbieter, Sie zahlen einen monatlichen Tarif. Angepasst wird über Themes, Apps und Erweiterungen – innerhalb der Grenzen, die die Plattform vorgibt.

Shopware hat einen Open-Source-Kern. Die Community Edition kostet laut Shopware keine Lizenzgebühr; Hosting, Umsetzung und Wartung organisieren Sie selbst oder mit einem Partner. Daneben bietet Shopware betriebene Varianten an: als SaaS mit verwaltetem Betrieb und automatischen Updates oder als PaaS, bei dem Shopware die Infrastruktur stellt und Ihr Team mehr Freiheit bei der Entwicklung behält.

Die Grenze verläuft also nicht mehr zwischen „Shopware heißt selbst hosten“ und „Shopify heißt mieten“. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Kontrolle über Code und Betrieb brauchen Sie – und wer übernimmt die Verantwortung dafür?

B2B: Hier entscheidet der Tarif

Wer auch an Geschäftskunden verkauft, sollte diesen Punkt zuerst prüfen. Beide Systeme können B2B – aber beide koppeln den Funktionsumfang an den Tarif.

  • Shopify: B2B ist laut Shopify in den Tarifen Basic, Grow, Advanced und Plus verfügbar; welche Funktionen genau enthalten sind, hängt vom Tarif ab. Plus ergänzt unter anderem unbegrenzte Kataloge und die direkte Zuordnung von Katalogen zu Firmen und Standorten.
  • Shopware: Auf der Preisseite nennt Shopware B2B-Komponenten wie Angebote und Bestellfreigaben im Plan Evolve, kundenspezifische Preise im Plan Beyond (Stand: November 2026). Welche Funktion in welchem Plan steckt, sollten Sie sich vor der Entscheidung schriftlich bestätigen lassen.

Unsere Empfehlung: Schreiben Sie vor jedem Preisvergleich auf, was Ihre Geschäftskunden heute tatsächlich brauchen.

  • Eigene Preise oder Preislisten je Kunde oder Kundengruppe
  • Kauf auf Rechnung mit Zahlungsziel
  • Mehrere Besteller pro Firma, mit Freigaben und Budgets
  • Angebotsanfragen statt Sofortkauf
  • Anbindung an Warenwirtschaft oder ERP

Erst mit dieser Liste lässt sich prüfen, welcher Tarif welches Systems sie abdeckt – und welcher nur auf dem Papier.

Mehrere Marken, Länder und Shops

Spätestens bei mehreren Marken unterscheiden sich die Systeme deutlich. In Shopware laufen mehrere Verkaufskanäle in einer Installation. Jeder Kanal kann eigene Domains mit eigener Sprache und Währung haben, eine eigene Standard-Kundengruppe und ein eigenes Sortiment. Laut Preisseite ist die Zahl der Verkaufskanäle nicht begrenzt.

Shopify geht den Weg über getrennte Shops: Shopify Plus unterstützt laut Shopify neun sogenannte Expansion Stores, etwa für Internationalisierung oder getrennte Standorte. Jeder davon braucht, sobald er live ist, eine eigene Theme-Lizenz.

Bei Mac's Mystic Store war genau das die Ausgangslage: Die MFB Group betrieb fünf Shops nebeneinander, über Jahre gewachsen und technisch auf Shopware 5. Die erste Entscheidung im Projekt war keine technische, sondern: Welcher Shop wird der Hauptshop, und was passiert mit den anderen? Das Ergebnis: Mac's Mystic Store wird voll ausgebaut, abgelöste Marken bekommen Landingpages, die auf die passende Kategorie führen, und der Großhandel läuft als Funnel mit eigener Kundengruppe.

Die Lehre daraus gilt für beide Systeme: erst die Shop-Landschaft klären, dann das System wählen.

Erweiterungen und Kosten: auf die Kostenarten schauen

Listenpreise lassen sich schlecht vergleichen, weil die Systeme an unterschiedlichen Stellen Geld kosten. Sinnvoller ist ein Blick auf die Kostenarten.

Bei Shopify

  • Monatlicher Tarif, gestaffelt nach Funktionsumfang.
  • Zahlungsgebühren: Mit Shopify Payments fallen Kartengebühren an; wer einen externen Zahlungsanbieter nutzt, zahlt laut Shopify je nach Tarif zusätzlich eine Transaktionsgebühr.
  • Apps: Laufende App-Abos und nutzungsabhängige App-Gebühren erscheinen auf der Shopify-Rechnung, manche Anbieter rechnen auch separat ab. Jede App ist eine laufende Position – und eine Abhängigkeit.
  • Theme und Umsetzung, bei Expansion Stores jeweils mit eigener Theme-Lizenz.

Bei Shopware

  • Lizenz: Die Community Edition kostet keine Lizenzgebühr. Die kostenpflichtigen Pläne berechnet Shopware nach Bruttowarenwert (GMV) und weiteren Faktoren.
  • Eine Schwelle sollten Sie kennen: Erzielen die mit Ihrem Shopware-Account verknüpften Shops in den vorangegangenen 365 Tagen mehr als 1 Million Euro Bruttowarenwert, braucht es laut Shopware einen kostenpflichtigen Plan, um den Zugang zu Account und Store zu behalten (Stand: November 2026).
  • Hosting und Betrieb: beim Selbsthosting inklusive Updates und Sicherheit in Ihrer Verantwortung, bei SaaS und PaaS über Shopware.
  • Kostenpflichtige Erweiterungen aus dem Shopware Store sowie Gebühren für die Zahlungsabwicklung.
  • Umsetzung und laufende Wartung durch Agentur oder eigenes Team.

Shopware und Shopify im Vergleich

KriteriumShopwareShopify
BetriebsmodellOpen-Source-Kern; selbst gehostet, als PaaS oder als SaaSSaaS: Hosting und Updates beim Anbieter
LizenzCommunity Edition ohne Lizenzgebühr; Pläne nach Bruttowarenwert und weiteren FaktorenMonatlicher Tarif je nach Funktionsumfang
ZahlungenKosten je nach gewähltem ZahlungsanbieterShopify Payments oder externer Anbieter, dann je nach Tarif zusätzliche Transaktionsgebühr
B2BB2B-Komponenten wie Angebote und Bestellfreigaben ab Plan EvolveAb Tarif Basic, Umfang je nach Tarif; erweitert in Plus
Mehrere Marken und LänderMehrere Verkaufskanäle in einer Installation, je mit eigener Domain, Sprache und WährungMit Plus bis zu neun Expansion Stores, jeder live mit eigener Theme-Lizenz
ErweiterungenPlugins aus dem Shopware Store, Eigenentwicklung am offenen CodeApps aus dem Shopify App Store, laufende App-Gebühren über die Shopify-Rechnung
Technische VerantwortungBeim Selbsthosting bei Ihnen oder Ihrem PartnerBeim Anbieter
Passt eher, wenn …der Vertrieb komplex ist, mehrere Marken oder Kundengruppen laufen oder tiefe Anpassungen nötig sindein schneller Start zählt, die Prozesse Standard sind und wenig eigene Technikverantwortung gewünscht ist

Stand: November 2026, nach den Preis- und Hilfeseiten der Anbieter. Tarife und Funktionszuordnungen ändern sich – prüfen Sie vor der Entscheidung die aktuelle Fassung.

Migration: der unterschätzte Teil

Nicht jeder Shopwechsel beginnt aus Begeisterung – manchmal läuft schlicht das alte System aus. Shopware 5 etwa bekam laut Shopware bis Juli 2024 nur noch Sicherheitsupdates; die weitere kommerzielle Unterstützung hat danach der Anbieter safefive übernommen. Shopware schreibt selbst, dass der Umstieg auf Shopware 6 kein einfaches Update mit ein paar Klicks ist.

Ob Sie von Shopware 5 kommen, von einem anderen System oder zwischen Shopware und Shopify wechseln – die Punkte sind dieselben:

  1. 01Daten: Produkte, Kunden und Bestellhistorie sauber übernehmen – und vorher entscheiden, was davon wirklich mitkommt.
  2. 02Erweiterungen: Jede Funktion, die heute ein Plugin oder eine App erledigt, braucht im neuen System eine Entsprechung.
  3. 03Adressen und SEO: Jedes System hat eigene URL-Muster. Ohne Weiterleitungskonzept riskieren Sie die Rankings, die Ihre Kategorien und Produkte aufgebaut haben. Wie das geht, beschreiben wir im Beitrag zum Relaunch ohne Ranking-Verlust.
  4. 04Struktur: Ein Umzug ist die Gelegenheit, Kategorien und Filter neu zu denken, statt die alten eins zu eins zu übernehmen.
Lesen Sie auchWebsite-Relaunch ohne Ranking-Verlust: die Checkliste vor dem Livegang

Bei Mac's Mystic Store haben wir genau das getan: Kategorien, Filter und Navigation wurden nicht aus dem Altshop übernommen, sondern an Suchvolumen und tatsächlichem Kundenverhalten neu ausgerichtet, das Weiterleitungskonzept aus dem Altsystem war von Anfang an Teil des Projekts. Das Theme entstand auf einer Demo-Umgebung, während der Kunde Daten, Backend und Deployment behielt – eine klare Schnittstelle, die beiden Seiten Blockaden erspart hat.

Unsere Faustregeln

Eine Empfehlung ohne Gespräch über Ihr Geschäftsmodell wäre unseriös. Als erste Orientierung taugen diese Faustregeln:

  • Shopify liegt nahe, wenn Sie schnell starten wollen, Ihre Abläufe dem Standard entsprechen und Sie keine Verantwortung für Server und Updates tragen möchten.
  • Shopware liegt nahe, wenn mehrere Marken, Sprachen oder Kundengruppen in einem System laufen sollen, Sie tief anpassen müssen oder volle Kontrolle über Code und Daten wichtig ist.
  • Bei B2B entscheidet die Funktionsliste, nicht das Logo – prüfen Sie Tarif für Tarif.
  • Läuft ein Altsystem aus, ist der Wechsel die Gelegenheit, Struktur und Shop-Landschaft aufzuräumen – nicht nur die Technik zu tauschen.

Das beste Shopsystem ist das, das zu Ihrem Vertrieb passt – und das Ihr Team auch in ein paar Jahren noch gern bedient.

Häufige Fragen

Der Open-Source-Kern, die Community Edition, kostet laut Shopware keine Lizenzgebühr. Hosting, Umsetzung, Wartung sowie kostenpflichtige Erweiterungen und Zahlungsabwicklung kosten trotzdem Geld. Ab mehr als 1 Million Euro Bruttowarenwert in den vorangegangenen 365 Tagen braucht es laut Shopware zudem einen kostenpflichtigen Plan, um den Zugang zu Account und Store zu behalten (Stand: November 2026).

Ja. B2B ist laut Shopify in den Tarifen Basic, Grow, Advanced und Plus verfügbar, nicht aber in Starter und Retail. Welche Funktionen genau enthalten sind, hängt vom Tarif ab; Plus bietet unter anderem unbegrenzte Kataloge und die direkte Zuordnung von Katalogen zu Firmen.

In Shopware laufen mehrere Verkaufskanäle mit eigenen Domains, Sprachen, Währungen und Sortimenten in einer Installation. Shopify Plus setzt stattdessen auf bis zu neun Expansion Stores, die jeweils eine eigene Theme-Lizenz brauchen, sobald sie live sind. Welcher Weg besser passt, hängt davon ab, wie eng die Marken zusammengehören.

Shopware 5 bekam laut Shopware nur bis Juli 2024 Sicherheitsupdates, danach hat safefive die kommerzielle Unterstützung übernommen. Wer heute noch auf Shopware 5 läuft, sollte den Umstieg planen – Shopware selbst betont, dass er kein einfaches Update ist. Ob das Ziel Shopware 6 oder ein anderes System ist, hängt von den Kriterien in diesem Beitrag ab.

Quellen

  1. [1]Shopware: Preise und Editionen (Stand: November 2026)
  2. [2]Shopware-Dokumentation: Verkaufskanäle in Shopware 6
  3. [3]Shopware: Wie es mit Shopware 5 weitergeht
  4. [4]Shopware: Migration von Shopware 5 auf Shopware 6
  5. [5]Shopify: Preise und Tarife (Stand: November 2026)
  6. [6]Shopify-Hilfe: B2B auf Shopify
  7. [7]Shopify-Hilfe: Der Tarif Shopify Plus
  8. [8]Shopify-Hilfe: Abrechnung von App-Gebühren
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Julius Gubitz · Operations & Entwicklung, Society Outsiders

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